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Himmelfahrtstour auf der Schlei und der Ostsee

Bilder von der Tour gibt es hier.

„Paddeltour durch das ostfriesische Wattenmeer“ – so lautete die Bezeichnung des Törns, den ich mir aus dem Fahrtenangebot der Salzwasserunion herausgesucht hatte. Eine kurze Mitteilung an den Fahrtenleiter (Rolf Doliner), eine knappe Antwort betreffs Treffpunkt und Uhrzeit – und schon hätte es losgehen können. Leider blieb es beim hätte. Wenige Tage vor dem Beginn der Tour hatte ein Reh beim Überqueren der Straße Rolfs Motorrad übersehen. Ergebnis:  Rippenbruch (Rolf); Exitus (das Reh) und Absage der Paddeltour. Da ich mich nun schon ganz aufs Paddeln eingestellt und sehr darauf gefreut hatte, begann ich mit einer neuen Planung. Zunächst galt es weiterhin, den Seewetterbericht intensiv zu studieren.

Dieser versprach für die Nordsee Windstärken bis sieben Beaufort – für mich eindeutig zu viel! Etwas besser hörte sich die Windvorhersage für die Ostsee an. Da ich mehrere Touren auf der Schlei in guter Erinnerung hatte, stand mein Entschluss schnell fest: ich starte auf dem mir bekannten Gewässer (Schlei) und wage dann etwas Neues (Ostsee bis Eckernförde). Der Startort sollte die DKV-Station Missunde sein. So lud ich mein Boot aufs Autodach und fuhr nach Schleswig-Holstein. Nachmittags befand ich mich schon auf der Großen Breite (einem Teil der Schlei zwischen Schleswig und Missunde). Die Wellen ließen das Paddeln kurzweilig werden. Es war so richtig zum Freuen und Warmwerden.
Anschließend setzte ich das Auto vor nach Eckernförde. Ich hatte einen guten Tipp bekommen, wo ich in Wassernähe parken konnte. Für den Rückweg benutzte ich mein Fahrrad.

Frühstück im Sonnenschein direkt am Wasser – schöner kann ein Tag nicht beginnen! Anschließend stellte sich die immer wieder spannende Frage: passt alles ins Boot, was ich dabei haben möchte? Nach einigem Hin und Her war tatsächlich alles verstaut. Beim Bezahlen der Übernachtungsgebühr musste ich leider erfahren, dass es die DKV-Station Missunde in Kürze nicht mehr geben wird. Nach 60 Jahren ist dem Verein die Pacht gekündigt worden! Demnächst sollen hier Ferienhäuser stehen… Etwas wehmütig legte ich ab. Der Sonnenschein und ein Schiebewind (West, 4 Bft.) sorgten für gute Laune. Nach einer Stunde verschwand die Sonne hinter einer dicken Wolkenbank, gleichzeitig frischte der Wind auf. Die Wellen wurden höher und das Paddeln immer sportlicher. Dabei wurde das Stützen wichtig. Dieses war mir aus der Seekajakausbildung noch gut vertraut, damals hat es mich vor mancher Kenterung bewahrt. Kurze Pause in Kappeln, dann ging es in flotter Fahrt nach Schleimünde. Leider ließ mich hier wie schon vor drei Jahren der Akku meines Fotoapparats in Stich. Schade, denn es gab wunderschöne Motive, zumal sich die Sonne wieder blicken ließ. Die Lotseninsel hat mich wieder sehr begeistert. Das lag nicht nur (aber auch) am Kirschkuchen und dem frisch aufgesetzten Kaffee beim Hafenmeister. Kurze Info für alle, denen Schleimünde noch fremd ist: Dieser Ort liegt am Ende einer Landzunge und hat Inselcharakter, da die Landverbindung zum Festland aus Naturschutzgründen nicht betreten werden darf. Hier treffen Schlei und Ostsee aufeinander. Es ist ein sehr kleines Areal, das man zu Fuß gemütlich innerhalb von zehn Minuten umrundet hat. Bebaut ist es mit einem Leuchtturm, einem kleinen Restaurant (der Giftbude) und einem Lotsenhaus (daher stammt auch die Bezeichnung Lotseninsel). Paddler dürfen hier gegen ein geringes Entgeld ihr Zelt aufschlagen und die sanitären Anlagen benutzen.

Am nächsten Morgen fiel es mir schwer, mich aus dem warmen Schlafsack heraus zu pellen. Trotz des Sonnenscheins war es recht frisch. Die Zeit der Eisheiligen war noch nicht vorüber. Ob der Hafenmeister wohl ein gutes Geschäft mit den warmen Socken machte, die er zum Verkauf anbot? Beim Frühstück staunte ich über den stilvollen Frühstückstisch, den ein Elmshorner Paddlerehepaar aufbaute. Die zwei zauberten nicht nur einen Tisch und zwei Stühle aus ihrem Zweierkajak. Der Tisch erhielt eine Tischdecke, darauf wurde ein Windlicht mit einer Kerze drin aufgestellt und es wurde gut was aufgetischt. Hintergrund: es war ein Geburtstag zu feiern. Ich hatte auch Grund zur Freude: Der Akku des Fotoapparats hatte sich über Nacht soweit erholt, dass noch zwei Aufnahmen von Schleimünde möglich wurden. Wieder auf dem Wasser war ich froh, dass ich mich trotz der kühlen Temperaturen gut eingecremt hatte. Die Sonne schien mir noch zwei Stunden ins Gesicht. Auch Wind und Wellen kamen heute von vorne, aber im Gegensatz zum Vortag hatte die Windstärke deutlich nachgelassen. Die Küste empfand ich als sehr abwechslungsreich: Steilküsten, Strände, hin und wieder ein Campingplatz… Weniger gut passten die Gebäudekomplexe von Damp 2000 ins Bild. Unerwartet schnell gelangte ich in die Eckernförder Bucht. Die Wellen wurden wieder etwas höher, insgesamt blieb es jedoch beim gemütlichen Paddeln. Eckernförde kündigte sich schon von weitem durch die Marineschiffe an. Die dort stationierten Versorger sind zwar nicht die größten Schiffe der Marine, ich kam mir daneben dennoch winzig vor. Schnell war alles im und auf dem Auto verstaut. Beim Abholen des Fahrrades brach über Missunde ein kräftiges Unwetter herein. Ich war heilfroh, dass ich nicht mehr auf dem Wasser war…

Auch wenn es nicht die Wattenmeertour war, auf die ich mich so lange gefreut hatte, hat mir das Paddeln auf der Schlei und der Ostsee viel Spaß gemacht. Insbesondere Schleimünde hat mir gefallen. Für mich ist es einer der Orte, die ein Paddler unbedingt kennengelernt haben sollte.

Bernd Feeken