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SZ / LZ Sommer-AbenteuerStill und friedlich: Mit dem Kanu auf der Weser

Von Cornelia Kurth
Artikel Schaumburger Zeitung am 05.07.2010

Die Weser vom Kanu ausWir werden alle Muskelkater bekommen, die einen im rechten Arm und die anderen im linken. Siebzehn Kilometer paddeln, wenn man selten oder noch nie ein Paddel in der Hand hatte, das ist nicht ohne. Trotzdem waren die Teilnehmer des SZ/LZ-Sommerabenteuers „Schnupperpaddeln“ froh und glücklich, dass sie die Chance wahrgenommen hatten, im Zehn-Personen-Kanu die schöne Weser von Fuhlen abwärts bis nach Rinteln zu schippern.

So still und lieblich ist es in der Landschaft zwischen den Flussufern. Nur die Vögel zwitschern in der hohen Luft, ab und zu springt ein Fisch aus dem Wasser und fällt mit Platschen zurück, und manchmal sieht man eine Bisamratte eifrig herumschwimmen. Selbst wer bereits mal mit einem Weser-Personenschiff auf dem Fluss unterwegs war, kann nicht diesen Eindruck von Frieden erhalten, wie er auf dem motorlosen, flach über das laue Wasser gleitenden Kanu möglich ist.

Sieben Anfänger sind dabei und dazu der Rintelner Kanuclub-Vorsitzende Peter Specht, der seit 40 Jahren Kanu und Kajak fährt und die Weserbiegungen mit ihren Lagunen, den Anlegestegen, Nebenarmen und Abzweigungen zu den Kiesteichen fast auswendig kennt. Er übernimmt die Rolle des Steuermannes, der mit seinem Paddelblatt dafür sorgt, dass das Boot nicht seine Richtung verliert. Wir anderen sitzen hintereinander abwechselnd rechts und links auf den schmalen Holzbänken und tauchen die Paddel möglichst im gleichen Schlag ins Wasser.

Ich bin dabei die Schlagfrau, auserwählt für diese Aufgabe, weil ich überhaupt schon mal in einem kleinen Boot saß, einem Kajak allerdings, das man mit dem Doppelpaddel vorwärts treibt. Ganz vorne sitze ich im Kanu und soll bestimmen, in welchem Rhythmus und wie lange hintereinander wir paddeln. Bereits nach kurzer Zeit spüre ich, dass mein linker Arm und auch die Schulter ganz schön gefordert werden. Sich einfach so treiben zu lassen, das wäre auch was Schönes. „Das können wir gerne machen“, meint Peter Specht großzügig. „Allerdings verpassen wir dann wohl das Spiel Deutschland-Argentinien…“

KanuwandernAlso geht es eins, zwei, eins, zwei – und erstaunlich schnell klappt der Gleichklang mit den anderen so gut, dass wir, ohne uns abzuhetzen, in einer Geschwindigkeit von neun bis elf Kilometern pro Stunde vorwärts kommen. Alle 40 Paddelstöße etwa ordne ich eine kleine Pause an und aus dem zustimmenden Gemurmel hinter mir schließe ich, dass meine Mitfahrer das ganz in Ordnung finden. Peter Specht lacht. Offenbar halten es andere Paddler durchaus fünf oder sechs Kilometer ohne Unterbrechung durch. Na und? Wir sind trotzdem ganz schön schnell und werden die 17 Kilometer in knapp zwei Stunden geschafft haben.

Mit im Boot sitzen Bauingenieur Uwe Schmidt und seine Frau Salamma Linke. Die beiden haben genauso wenig Erfahrung mit einem Kanu wie die Erzieherin Ulrike Meier, ihre Tochter Mareike und der Rentner Günther Weiss. Nur die Auszubildende Simone Würfel saß immerhin schon mal in einem Tretboot auf dem Doktorsee. Angst hat keiner von ihnen – und man muss auch keine Angst haben, so seelenruhig fließt die Weser dahin. Ein einziges Mal liegt ein Hauch von Spannung in der Luft, als uns nämlich von hinten ein Motorboot überholt, besetzt mit einem Mann, der offensichtlich seine malerisch auf dem Deck hingebreitete Freundin beeindrucken will. Auf den Wogen, die das Boot verursacht, schaukeln wir lustig hin und her, doch erlaubt ist so ein Gebaren keineswegs – Motorboote müssen abbremsen, wenn sie in die Nähe eines anderen Bootes kommen (und übrigens auch, wenn sie an einem Bootssteg vorbeifahren).

Diese und andere Informationen gibt der Kanuclub-Vorsitzende mit Vergnügen an uns weiter, dazu auch allerlei Geschichten aus seinem Leben als Kanufahrer. In seiner Jugend verbrachte er viele Wochenenden beim Lagerfeuer an abgelegenen Stellen des Doktorsees, damals, als es noch eine Verbindung zwischen Weser und Doktorsee gab. Und einmal kippte tatsächlich das große Kanu um, als nämlich ein fröhlich Betrunkener unbedingt mal während der Fahrt die Seite wechseln wollte.

Die Helfer vom RKCOh ja – die Seite wechseln und das Paddel zur Abwechslung mit dem anderen Arm führen, das würde sicher gut tun. Stattdessen legen wir doch mal eine richtige Paddel-Pause ein und treiben sanft vorbei an Schaum- und Paschenburg, die in der Ferne auf den Berghängen leuchten. Großen Schiffen begegnen wir nicht, dafür aber einigen Schlauchbooten, deren Fahrer es sich richtig gemütlich gemacht haben. In einem gelben Gummiboot sitzt ein Vater mit seinem kleinen Kind, zwei große Schlauchboote sind besetzt mit gut gelaunten Biertrinkern, eines davon geschmückt mit lauter bunten Sonnenschirmen, am anderen hängen zwei Jugendliche im Weserwasser und lassen sich mitziehen. Auch nicht schlecht, es so zu machen.

Doch wir immerhin werden immer geschickter im Paddeln, allerdings auch immer roter im Gesicht – nicht jeder hat an eine schützende Schirmmütze gedacht. Als wir schließlich die Anlegestelle am Kanuclub erreichen und aus dem Boot krabbeln, würden wir uns am liebsten alle sofort einfach in den Schatten legen. Aber nichts da. Das Kanu muss aus dem Wasser und auf den Anhänger gehoben werden. Kaffee und Kuchen gibt es erst, wenn es einmal rundherum mit dem Schwamm abgewaschen wurde.

Keiner unter den Teilnehmern, der nicht gerne wieder auf die Weser ginge. Und das wäre ohne Weiteres möglich. Jeden Donnerstagabend treffen sich die Kanuten am Kanuclub, um Pläne für weitere Fahrten zu machen; jeden Samstag in den Sommerferien sind zwischen 16 und 18 Uhr speziell Anfänger eingeladen.